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Die Luftsicherheit steht vor zahlreichen und vielfältigen Herausforderungen. Der Flughafen München hat zentrale Themen identifiziert, die besonders in den Fokus der Diskussion gestellt werden sollen:

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01.01.1970

Krisen, Konflikte, Unsicherheiten – Luftsicherheit in einer turbulenten Welt

„Zerfällt unsere Weltordnung?” Es ist alarmierend wie häufig der Zustand der Welt heute in dieser Frage mündet. Die internationale sicherheits- und geopolitische Lage ist so unsicher wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Internationale Ordnungselemente wie EU und NATO, die über Jahrzehnte erfolgreich Stabilität vermittelt hatten, wirken zunehmend unbeständig, unsicher und in ihrer Existenz bedroht. Die internationale Gemeinschaft ist mit verschiedensten Krisen und Konflikten konfrontiert und dabei dringend auf der Suche nach nachhaltigen Lösungsansätzen sowie realisierbaren und zugleich wirkmächtigen Instrumenten für den Umgang mit Volatilität und Unsicherheit. Syrien und der Nahe Osten durchleben brutale Kriege, eine humanitäre Katastrophe und den Zusammenbruch von Strukturen, die ohnehin über Jahrzehnte von Fragilität geprägt waren. Die Ukraine Krise und die Beziehungen zwischen NATO und Russland stehen weiterhin ganz oben auf der internationalen Agenda, nicht zuletzt da sich Kampfhandlungen in der Ost-Ukraine in den letzten Monaten immer weiter zugespitzt haben. Darüber hinaus beherrscht die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus große Teile der Welt, vereitelt in weiten Teilen Bemühungen politischer und struktureller Entspannung und führt in erheblichem Maße zur weiteren Destabilisierung von Ländern wie Libyen, Afghanistan, Irak, Mali oder auch der Türkei. Auch deshalb sind derzeit so viele Menschen weltweit auf der Flucht wie nie zuvor. Errungenschaften der internationalen Gemeinschaft wie das Friedensprojekt Europäische Union geraten auf der Suche nach Antworten auf diese Herausforderungen ins Wanken. Inmitten all dieser enormen Herausforderungen befindet sich Luftsicherheit unter besonderem Druck. Der Abschuss der Maschine MH17 in ukrainischem Luftraum oder terroristische Anschlägen auf europäische Flughäfen verdeutlichen das auf brutaler Weise. Die Komplexität und Volatilität globaler Herausforderungen verlangt nach konsistenten, transnationalen und differenzierten Maßnahmen, um die vielfältigen Risiken für Luftsicherheit zu managen und minimieren.

Wissen ist Macht – Die Bedeutung von Threat Information Sharing in Zeiten globaler Konflikte

Flugzeuge und Flughäfen haben sich in der Vergangenheit bereits als konkrete Ziele für terroristische Anschläge erwiesen. Nicht nur 9/11, sondern auch zuletzt die Anschläge in Brüssel oder Istanbul zeigen, dass zivile Luftfahrt ein „high-value target“ darstellt. Nach jedem dieser Vorfälle forderten Politiker, Medien und Wissenschaftler dringend eine engere Zusammenarbeit der relevanten Akteure und insbesondere einen besseren Informationsaustausch zwischen den involvierten Parteien. Ein schnellerer und besser organisierter Informationsaustausch könnte die unmittelbare Umsetzung gezielter Sicherheitsmaßnahmen für die Verantwortlichen erheblich erleichtern und Luftsicherheit so effektiv erhöhen. Unvollständige Informationen, inkonsistente Informationswege, der Personalmangel und unterschiedliche regulatorische Standards stehen einem effektiven Prozess im Weg und erfordern den intensiven Austausch involvierter Akteure zu konstruktiven Lösungsansätzen, insbesondere auf internationaler Ebene.

Der unsichtbare Feind – Luftsicherheit in Zeiten von Cyberwarfare

Bei dem Thema Flug- und Luftsicherheit kommt zumeist die Rolle von Sicherheitsvorkehrungen am Boden in den Sinn. Allerdings spielt insbesondere Cybersicherheit hier auch eine zunehmend wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr wurde ein FBI Sicherheitsexperte verhaftet, nachdem er über das In-Flight-Entertainment System auf das Kontrollsystem des Flugzeugs zugegriffen hatte. Flugsicherheitssysteme sind ein zunehmend attraktives Angriffsziel für Hacker und Terroristen. Konsistente Standards und Cybersicherheitsmaßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene sind unerlässlich um Luftsicherheit auf globaler Ebene resilient aufzustellen und entsprechende Angriffe abzuwehren. Der „SITA Airline IT Trends 2016“ Umfrage zufolge planen 91% der Fluggesellschaften in den nächsten drei Jahren in Cybersicherheitsprogramme zu investieren. Das Maß an Verbindlichkeit dem Thema Cybersicherheit gegenüber verdeutlicht die konsistente Wahrnehmung, dass in diesem Bereich akuter Handlungsbedarf besteht. Die Priorisierung des Themas weist zugleich auf den Trend zum „Internet der Dinge“ (IoT) hin, wodurch das Erheben, Nachverfolgen, Auswerten und Analysieren von und damit letztlich die Kontrolle über Daten ermöglicht wird. Cybersicherheit kommt damit zusätzliche Bedeutung zu. Der Umfrage zufolge wird eine überwiegende Mehrheit der Fluglinien (68%) in den kommenden drei Jahren in IoT Programme investieren.

Chancen und Risiken von Unbemannten Flugsystemen

Unbemannte Flugsysteme (UAVs) finden zunehmend Anwendung im Bereich der Luftfahrt – sei es im wirtschaftlichen oder zivilen Bereich. Drohnen entwickeln sich nicht nur zu einem neuen Hobby für eine wachsende Zahl an Technologie-Begeisterten, sondern stellen auch ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell insbesondere im Bereich Logistik dar. Sie sind daher für globale Player wie Amazon oder DHL besonders interessant. Damit gehen allerdings einige neue Probleme und Herausforderungen einher. Die Deutsche Flugsicherung schätzt, dass im Jahr 2016 deutschlandweit etwa 400.000 Drohnen genutzt wurden. Eine Studie von YouGov besagt, dass 60% der Deutschen im Bereich Drohnen ein steigendes Sicherheitsrisiko sehen – ein besonders wichtiger Aspekt, den relevante Stakeholder in dringend berücksichtigen sollten. Der Einsatz von UAVs in der unmittelbaren Nähe zu Flughäfen sowie Versicherungsfälle, die durch unbeabsichtigte oder fahrlässig verursachte Zwischenfälle mit Flugzeugen verursacht wurden, sind nur wenige Beispiele für die vielen ungeklärten regulatorischen Fragen. Die Europäische Union ebenso wie Regierungen auf nationaler Ebene haben entsprechende Prozesse bereits angestoßen, es bleiben jedoch viele Fragen zu beantworten – insbesondere vor dem Hintergrund der Förderung von Innovation und zukunftsträchtigen Technologien.

Vorbereitet auf den Worst case? Flughäfen als kritische Infrastruktur

Flughäfen sind als kritischer Bestandteil allermöglichen sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten essentiell für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft. Sie bedürfen daher besonderen Schutzes und nachhaltiger Maßnahmenkataloge, um ein reibungsloses Funktionieren auch im Notfall sicherzustellen. Potentielle Risiken reichen von Unfällen oder Sabotage über Cyberangriffe, bis zu terroristischen Anschlägen oder Naturkatastrophen. Aufgrund der weitreichenden Risikoszenarien bestehen umfangreiche Sicherheits- und Schutzmaßnahmen in allen Bereichen – von Logistik und Transport über personalbezogene und technische Sicherheitsmaßnahmen, bis hin zu physischen Barrieren am Rande des Sicherheitsbereichs. Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur werden insbesondere in vier Bereichen angesiedelt: Physische Gefahrenabwehr durch Zugangskontrolle und „standoff distances“; Resilienzen durch Datenbackup und sekundäre Energieversorgung; hohe Reaktionsgeschwindigkeit im Falle technischer Ausfälle bzw. schnell zu reparierende Systeme, die weniger Angriffsfläche bieten; und zuletzt das Verlagern kritischer Bereiche in Sicherheitszonen. Flughäfen abzusichern erfordert Voraussicht, Prävention und Handlung bevor ein Angriff oder Notfall eintritt. Auf der anderen Seite stehen Fachkräfte im Bereich Luftsicherheit stets vor unkalkulierbaren Risiken und Unsicherheiten.

Der Umgang mit dem schwarzen Schwan – Wie funktioniert Prävention gegen das Unvorhersehbare?

Risikoprävention findet zumeist in Bezug auf Trends und Entwicklungen statt, die in unserem täglichen Denken präsent sind. Doch wie gestaltet man Prävention im Umgang mit hochdestruktiven Szenarien, die zwar am langen Ende der Wahrscheinlichkeitskurve stehen, aber dennoch weitreichende Auswirkungen hätten und zu jeder Zeit eintreten könnten? Solche „high-profile“, schwervorhersehbaren und äußerst seltenen Vorfälle mit immenser Reichweite und Zerstörungskraft werden auch als „schwarze Schwäne“ bezeichnet. Die „Black Swan“-Theorie wurde von dem Risikoanalysten Nassim Nicholas Taleb entwickelt, der beinahe alle bahnbrechenden wissenschaftlichen Entwicklungen und historischen Ereignisse als schwarze Schwäne kategorisiert – unvorhergesehen und nicht gezielt gesteuert. Als Beispiele nennt er die Entwicklung des Internets, den Personal Computer, den ersten Weltkrieg, den Zerfall der Sowjetunion sowie die Anschläge von 9/11. In Zeiten disruptiver Innovationen und Technologien und einer Welt in Aufruhr können solche schwarzen Schwäne für Flughäfen als kritische Infrastruktur, wie auch für Luftsicherheit im Allgemeinen besonders destruktive Folgen mit sich bringen. Außerhalb gängiger Denkmuster gerade über solche Szenarien zu diskutieren ist daher unerlässlich: In welcher Form und mit welchen Maßnahmen ist Prävention möglich und wo könnte die Intensivierung von Sicherheitsmaßnahmen und –prozessen gegebenenfalls sogar hinderlich sein, um die Effizienz und erforderliche Flexibilität aufrecht zu erhalten?